Fünf Abende zu Antisemitismus im Film und Filme gegen Antisemitismus

Fil­me trans­por­tie­ren wie kaum ein ande­res Medi­um Welt­bil­der in unse­re All­tags­kul­tur. Sie haben das Poten­ti­al, uns über den Hori­zont schau­en zu las­sen und uns unbe­kann­te Wel­ten oder Denk­wei­sen zu zei­gen. Ande­rer­seits kön­nen sie aber auch Vor­ur­tei­le repro­du­zie­ren, die wir eigent­lich über­win­den wol­len.

Eines der lebens­be­droh­lichs­ten Vor­ur­tei­le und Welt­erklä­rungs­mo­del­le ist Anti­se­mi­tis­mus, der Glau­be an eine jüdi­sche Welt­ver­schwö­rung. In Hal­le (Saa­le) hat­te er zuletzt am 9. Okto­ber 2019 in einem rech­ten Anschlag töd­li­che Kon­se­quen­zen.

Fil­me haben über Jahr­zehn­te hin­weg anti­se­mi­ti­sche Vor­stel­lun­gen mit­ge­prägt und tun es bis heu­te, teils offen, teils in Form schein­bar harm­lo­ser Ste­reo­ty­pe – oder sie bre­chen bewusst mit ihnen. Die Film­rei­he „Tache­les – Anti­se­mi­tis­mus im Blick” nimmt genau die­sen Zusam­men­hang in den Fokus. In einem nied­rig­schwel­li­gen For­mat bringt sie Lang- und Kurz­fil­me mit Vor­trä­gen und mode­rier­ten Gesprä­chen zusam­men. The­ma­ti­siert wer­den anti­se­mi­ti­sche Kon­ti­nui­tä­ten in Gesell­schaft und Film vom 20. Jahr­hun­dert bis in die Gegen­wart. Sei es das Auf­kei­men des Anti­se­mi­tis­mus zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts, das in der Ver­nich­tung des euro­päi­schen Juden­tums mün­de­te, die ver­schie­de­nen Wege der Auf­ar­bei­tung danach oder das Leben der Über­le­ben­den und Rückkehrer:innen, die auch in den Nach­kriegs­ge­sell­schaf­ten erneut staat­li­chem und struk­tu­rel­lem Anti­se­mi­tis­mus aus­ge­setzt waren, bis hin zu aktu­el­len For­men, mit denen heu­te nach Deutsch­land ein­ge­wan­der­te Jüdin­nen und Juden kon­fron­tiert sind, zuletzt ver­stärkt durch die isla­mis­ti­sche Gewalt des 7. Okto­ber 2023.

Wir laden dazu ein, Anti­se­mi­tis­mus aus unter­schied­li­chen his­to­ri­schen und aktu­el­len Per­spek­ti­ven kri­tisch zu betrach­ten, genau hin­zu­schau­en und zu hin­ter­fra­gen.

For­mat Film­kunst e.V. in Koope­ra­ti­on mit ECHO Hal­le und in Unter­stüt­zung des WIR-Fes­ti­vals.
Die Rei­he wur­de geför­dert durch HALLIANZ für Viel­falt, durch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Bil­dung, Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend im Rah­men des För­der­pro­gramms Demo­kra­tie Leben! sowie dem Land Sach­sen Anhalt.

#1 Antisemitismus im Film – Di 21.10.2025 / 18 Uhr / Format Filmkunstverleih

Zwi­schen Unsicht­bar­keit und Tabui­sie­rung
(Vor­trag mit Film­aus­schnit­ten)

Vie­le den­ken bei die­sem The­ma vor allem an natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Pro­pa­gan­da­fil­me. Aber Anti­se­mi­tis­mus spielt im fil­mi­schen Erzäh­len auch heu­te noch eine Rol­le, wenn auch viel­fach impli­zit, sub­til und mit­un­ter wider­sprüch­lich.

Die Film- und Medi­en­wis­sen­schaft­le­rin Lea Wohl von Hasel­berg schärft den Blick auf die fil­mi­sche Repro­duk­ti­on anti­se­mi­ti­scher Bil­der.

#2 Juden in Halle – Di 28.10.2025 / 18 Uhr / Format Filmkunstverleih

Film­abend & Gespräch zur Geist­stra­ße 21

Der Film Juden in Hal­le, ent­stan­den 2007 im Auf­trag des ZeitGeschichte(n) e.V., gibt anhand von Archiv­ma­te­ri­al und Inter­views einen Über­blick über die fast 1.000-jährige Geschich­te jüdi­schen Lebens in Hal­le.

Prof. Max Schwab und Josef Kahl­berg gehör­ten zu den Weni­gen, die der mör­de­ri­schen Ver­fol­gung der Natio­nal­so­zia­lis­ten ent­gin­gen. Sie berich­te­ten in dem Film über die Ver­trei­bung und Ermor­dung hal­le­scher Juden, aber auch von der Hil­fe ein­zel­ner Hal­len­ser. Gud­run Goe­se­ke ver­hin­der­te in der DDR die Ver­nich­tung des Archivs der Jüdi­schen Gemein­de und unter­stütz­te die Recher­chen zu den Stol­per­stei­nen für Hal­le.

#3 Professor Mamlock und Juden in der DDR – Mo 03.11.2025 / 17:30 Uhr / Puschkino

Zwi­schen Anti­fa­schis­mus und Rea­li­tät

„Pro­fes­sor Mam­lock” von 1961 (Regie: Kon­rad Wolf) mit anschlie­ßen­dem Film­ge­spräch.

Der Spiel­film „Pro­fes­sor Mam­lock” schaff­te es zu eini­ger Bekannt­heit, als wich­ti­ges DEFA-Film­erbe der 1960er Jah­re mit vie­len mar­kan­ten Dreh­or­ten im Hal­le­schen Stadt­bild. Sein Regis­seur, Kon­rad Wolf, war der bedeu­tends­te Fil­me­ma­cher der DDR – Und es lohnt sich, den Film auch als spre­chen­des Zeit­zeug­nis zu betrach­ten: denn er erzähl­te einem DDR-Publi­kum von der Aus­gren­zung und Ver­fol­gung von Jüdin­nen und Juden im Natio­nal­so­zia­lis­mus. Pro­fes­sor Mam­lock ist die mar­kan­te Haupt­fi­gur im Kampf gegen die all­täg­li­che Stig­ma­ti­sie­rung der Juden, die Gewalt auf den Stra­ßen einer unge­nann­ten Stadt und eine dazu schwei­gen­de Gesell­schaft. Dabei wur­de die jüdi­sche Iden­ti­tät der Opfer des Holo­caust in der anti­fa­schis­ti­schen Erin­ne­rungs­kul­tur und staat­li­chen Gesell­schafts­po­li­tik der DDR nach 1949 mar­gi­na­li­siert. Über­le­ben­de des Holo­caust und ihre Nach­kom­men führ­ten ein pre­kä­res Dasein zwi­schen ihrer jüdi­schen Iden­ti­tät und dem Bekennt­nis zur sozia­lis­ti­schen Staats­ideo­lo­gie. Doch wel­che Wege der Selbst­be­haup­tung zeigt der Film auf? Wel­che Wege schlu­gen Jüdin­nen und Juden im ost­deut­schen Nach­kriegs­staat ein? Wie sah das jüdi­sche Leben in der DDR in Hal­le aus? Im anschlie­ßen­den Film­ge­spräch gehen wir dem gemein­sam nach.

Die Ver­an­stal­tung fin­det in Koope­ra­ti­on mit dem Pro­jekt Echo Hal­le statt.

#4 Die Stadt ohne Juden – So 09.11.2025 / 14 Uhr / Puschkino

Stumm­film mit Live­mu­sik

Anläss­lich des Jah­res­tags der Reichs­po­grom­nacht zei­gen wir ein frü­hes und ein­dring­li­ches fil­mi­sches Zeug­nis gegen Anti­se­mi­tis­mus – erschre­ckend vor­aus­schau­end und his­to­risch bedeut­sam: Die Stadt ohne Juden – der öster­rei­chi­sche Stumm­film aus dem Jahr 1924 des Regis­seurs H. K. Bres­lau­er nach dem Roman von Hugo Bet­tau­er.
Die Vor­füh­rung wird live von Musi­kern des Jazz­kol­lek­tiv Hal­le e.V. beglei­tet.

Reser­vie­run­gen per info@puschkino.de oder Tel: 0345–13252299

#5 Kurzfilme gegen Antisemitismus – Mo 17.11.2025 / 18 Uhr / Format Filmkunstverleih

Geschüt­telt oder gerührt? Die­ser fil­mi­sche Cock­tail lässt kei­nen Platz für Kli­schees.

Die Kurz­fil­me die­ses Abends zeich­nen eine Linie durch die Geschich­te anti­se­mi­ti­scher Erfah­run­gen: von der Sho­ah über den staat­lich geför­der­ten Anti­se­mi­tis­mus in der Sowjet­uni­on bis in die Gegen­wart. Sie erzäh­len von feh­len­der Auf­ar­bei­tung nach 1945, vom All­tag sowje­ti­scher Jüdin­nen und Juden und von der heu­ti­gen Situa­ti­on jüdi­scher Immi­gran­tin­nen – auch aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on – in Deutsch­land. Ein fil­mi­scher Abend über his­to­ri­sche Kon­ti­nui­tä­ten, erin­ne­rungs­po­li­ti­sche Brü­che und über jun­ge Stim­men, die sich dem Ver­ges­sen wider­set­zen.